Covid-19 Pandemie fördert weltweit Akzeptanz von Teleaudiologie

Teleaudiologie kann auch über die Covid-10-Pandemie hinaus die audiologische Versorgung optimieren und differenzieren. Das ist das Ergebnis eines Vortragspanels im Internet, zu dem die International Society of Audiology eingeladen hatte. Mehr als 400 Zuhörer folgten dem „Rapid Fire Panel“, einer Veranstaltung, bei der vier kurze Vorträge von Experten aus Südafrika, Brasilien, Australien und Großbritannien Studienergebnisse und Erfahrungen zu Teleaudiologie in Zusammenhang mit der Covid-19 Pandemie vorstellten.

Südafrika: Akzeptanz und Nutzung stark gestiegen

Den Auftakt machte Professor De Wet Swanepoel von der Universität Pretoria. De Wet Swanepoel wies darauf hin, dass Teleaudiologie in der Pandemie schon allein deshalb vom optionalen zum essentiellen Service geworden sei, da der typische Patient über 60 Jahre alt und männlich sei und damit der Risikogruppe angehöre. Die Sicherheit in den Vordergrund zu stellen, habe dazu geführt, dass die Akzeptanz und die Nutzung stark gestiegen sei. Das Teleaudiologie nach der Pandemie wieder in der Nutzung zurückfällt, sieht De Wet Swanepoel nicht. Vielmehr könne diese Dienstleistung die audiologische Versorgung dauerhaft optimieren und differenzieren. 

Brasilien: Teleaudiologie könnte Versorgung verbessern

Fast 100 Prozent der vonCarmen Barreira Nielsen von der Universidad do Espirito in Vitoria, Brasilien, befragten Patienten waren mit ihren Remote-Sitzungen mit ihren Audiologen zufrieden und würden wieder daran teilnehmen. Sowohl die Soundqualität, die Kommunikation und die Effektivität waren demnach zufriedenstellend. In ihrem Land, so Barreira Nielsen, sei Teleaudiologie ein guter Weg, um den Zugang und eine patientenzentrierte Versorgung überhaupt zu ermöglichen und qualitativ hochwertige Dienstleistungen zu erbringen. Außerdem ermögliche diese Versorgungsform den Patienten, ihre Hörgesundheit selbst zu verwalten. Damit würden die aktuellen Möglichkeiten im Rahmen der nationalen Hörgesundheit verbessert, Dienstleistungen über alle Altersgruppen hinweg kontinuierlich und kosteneffizient anzubieten, was dem Bedarf der breiten Öffentlichkeit entspreche.

Australien: Mehr Forschung notwendig

Neben den Treibern von Teleaudiologie gebe es nach wie vor wie Hindernisse in der Anwendung, stellte Rob Eikelboom vom australischen Ear Science Institute fest. Es gebe allgemein noch wenig Vorgaben wie Protokolle, einheitliche Servicemodelle oder Forschungsarbeiten zur Kosteneffizienz.

Laut einer Meta-Studie von Juni bis August 2020, für 337 Studien in 44 Ländern (mehrheitlich USA, Australien und Südafrika) unter Einbeziehung aller audiologischen Sektoren und Services ausgewertet wurden, sei die Bedeutung von Telehealth mit weniger als 50 Prozent bewertet worden. Das habe sich total verändert. Als wichtigste Einsatzbereiche genannt wurden Support, die Einstellung von Geräten und die (Fern-)Wartung. Audiologen seien demnach mehr denn je bereit, telemedizinische Dienste anzubieten und dabei angetrieben von dem Wunsch, ihre Patienten kontinuierlich zu versorgen. Gleichzeitig sei der Bedarf an Ausrüstung und Training und auch in das Vertrauen in die Patienten hoch. Bei den Patienten werde der persönlichen Kontakt immer noch bevorzugt, aber eine große Anzahl begrüße den Zugang zur Fernbetreuung. Insgesamt sei es nötig, so Eikelboom, die Forschung weiter zu intensivieren. Um Geldgeber wie Krankenkassen von Teleaudiologie zu überzeugen, würden mehr solide Daten für deren Wirksamkeit benötigt. 

Großbritannien: Betreuung der Patienten entscheidend

Als die Tinnitus- und Hyperakusis-Patienten des Royal Surrey County Hospital im Lockdown aufgefordert wurden, Telehealth-Termine statt Präsenztermine wahrzunehmen, sagten 80 Prozent zu, berichtete Brian Moore von der Universität Cambridge. Die Patienten mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren hätten dazu vorab einen Einführungsanruf mit Fragen bekommen, wie es ihnen mit ihrem Tinnitus gehe und dem Angebot zu Therapie und Hilfe. In einem zweiten Anruf wurden den Patienten Videoanrufe angeboten. Den Patienten wurde außerdem gesagt, dass sie bei Ablehnung von Videoterminen auf eine Warteliste für persönliche Termine unter Corona-Bedingungen kämen. Zu diesen Bedingungen gehöre zum Beispiel, voll maskiert zum Termin zu erscheinen. Bei den meisten Patienten, die einen Video-Termin ablehnten, war kein Gerät für einenVideoanrufe vorhanden. Nur 2 von 23 Patienten gaben an, einen Videotermin wegen ihres Hörverlusts oder Angst vor dem Videoanruf abzulehnen. Das Alter und das Geschlecht dagegen habe keine signifikante Rolle gespielt. Moores Fazit: Es komme im wesentlichen darauf an, wie der Audiologe seinen Patienten den Videotermin verkaufe. Die Rolle des Audiologen sein mithin entscheidend für den Erfolg von Teleaudiologie.

 

 

 

Signia: 2021 wird ein brilliantes Jahr 

20. Januar 2021. „Be brilliant“ heißt der neue Slogan des Hörgeräteherstellers Signia. Mit einer Youtube-Keynote stellte das Unternehmen Mitte Januar den neuen Markenauftritt und neue Produkte vor. Mit einem Dank an die Offenheit und Flexibilität der Hörakustiker in Österreich eröffnete Signia-Vertriebsleiter Österreich, Daniel Reiße, das halbstündige Online-Event, mit dem der Hörgerätehersteller in der Kulisse des staatlichen Museum für Kunst und Design Nürnberg seine wichtigsten Neuheiten präsentierte und einen Blick in die Zukunft wagte. 

Mit den neuen Produkten und der neuen Aufmachung werde Signia noch innovativer und auf die Kunden ausgerichtet als jemals zuvor, so Reiße. Deutschland Geschäftsführer Christian Honsig verwies auf neue Kundengruppen mit veränderten Ansprüchen, die in Form der Baby-Boomer jetzt in die Geschäfte kämen. Diese hätten andere Erwartungen, weil sie mobiler und dynamischer seien. 

Neuer Markenauftritt mit Siegel

Sichtbar werden die Veränderungen im Markenauftritt unter anderem mit einem neu geschaffenen Siegel, einem weißen, stilisierten „S“ auf rotem Hintergrund, das Tobias Wiedmann von der Marketingleitung Deutschland vorstellte. Neue Hörlösungen sollen dem gesteigerten Anspruch einer veränderten Konsumentenwelt gerecht werden und damit auch den Hörakustikern zugute kommen. Zur neuen DNA gehört demnach auch, sich von alten Gewohnheiten zu verabschieden und Vorbehalte gegenüber einer Hörgeräteversorgung aufzubrechen. 

Hearable-Optik für jüngere Zielgruppen 

Erreichen will Signia das unter anderem mit „Active“, einem mit Bluetooth und Akku ausgestatteten Instant-Ido in stylischer Hearable-Optik. Es soll das hohe Marktpotenzial bei Menschen mit leicht bis mittelgradigem Hörverlust erschließen, die bislang eher zu Hearables greifen, statt sich mit Hörsystemen versorgen zu lassen. Der weltweite Hearable-Markt ist aufgrund hoher Wachstumsraten attraktiv. Unabhängige Analysten sehen bis 2026 ein Volumen von bis zu 93,9 Milliarden Dollar, was zwischen 2019 bis 2026 einer jährlichen Wachstumsrate von 17,2 Prozent entspricht.  

Super-Power mit Akku für schweren Hörverlust 

Mit der neuen Produktfamilie „Motion“ möchte Signia Menschen mit schwerem Hörverlust wieder an hochwertige Hörsysteme heranführen. Die Super-Power-Hörgeräte mit Lithium-Ionen-Akku präsentierte Sascha Haag, Leiter Audiologie und Training. Veränderungen gibt es auch bei den Informationsangeboten. Die 2019 erstmals bereitgestellte Signia Wissens-App für Hörakustiker wurde kürzlich komplett neu gestaltet.

 

 

 

Masken erschweren Hören und Verstehen 

5. Januar 2021. „Wie bitte?“ - diese Frage hört man heuer beim Einkaufen häufig, wenn der Sprecher eine Maske trägt. Der Grund dafür liegt in der dämpfenden Wirkung von Mund-Nasen-Schutzmasken. Sprache ist damit grundsätzlich schwieriger zu verstehen, von normal-hörenden Menschen, besonders aber von Hörgeräte-Benutzern. Erste Hersteller bieten spezielle Hörprogramme für ihre Hörsysteme an.

Hochfrequente Sprachsignale werden gedämpft 

MNS- und FFP-Schutzmasken sowie Gesichtsschilder sind ein wichtiges Hilfsmittel, um die Ausbreitung von COVID-19 zu verlangsamen. Eine Herausforderung sind die Masken für Menschen mit Hörverlust, weil sie die Kommunikation erschweren. Der Grund: Gesichtsmasken dämpfen hochfrequente Sprachlaute wie "s", "f" und "th", die für Menschen mit Hörverlust in der Regel die größten Herausforderungen darstellen und gleichzeitig für das Sprachverstehen wichtig sind. Hinter Stoff- oder Vlies-Masken sind zudem Lippenbewegungen nicht zu sehen. Sie blockieren hilfreiche visuelle Signale. 

Material entscheident

In verschiedenen Studien haben Wissenschaftler und Hörakustiker festgestellt, dass nicht jede Maske den Klang von Sprache gleichermaßen beeinflusst. Demnach dämpfen alle Masken hochfrequente Töne, wie stark, ist jedoch vom Material abhängig. Die geringste Dämmwirkung und damit beste Klangübertragung liefern laut einer im Mai 2020 ebenso wie einer im Oktober 2020 veröffentlichten Studie herkömmliche OP-Masken. FFP3-Masken, Visiere oder Masken aus einer Komination von Stoff und Visier erzielten dagegen eine höhere Dämmwirkung.

Hörakustiker informieren, was möglich ist 

Der Schutz vor COVID-19 habe oberste Priorität, sind sich die Mitglieder im Verband der Hörakustiker Österreichs VHÖ einig. Sie empfehlen ihren Kunden, bei ihrem Hörakustiker vorstellig zu werden. Der Hörakustiker kann überprüfen, ob es eine Möglichkeit gibt, die jeweiligen Hörgeräte auf die gedämpfte Sprache einzustellen, zum Beispiel durch eine entsprechende Verstärkungserhöhung in den hohen Frequenzbereichen. Auch erste Hörsystem-Hersteller haben auf die Herausforderung des Sprachverstehens hinter der Maske reagiert. Sie bieten spezielle Hör-Programme als neue Funktion an, die per App oder vom Hörakustiker aktiviert werden können. 

 

 

 

Vom Nischenmarkt bis zur Künstlichen Intelligenz: Hörakustiker rüsten sich für die Zukunft

Statt sich in Wien zur Herbst-Fortbildung und zum Workshop zu treffen, musste der VHÖ kurzfristig umplanen. Wie viele andere Veranstaltungen auch, zog die Fortbildung in den virtuellen Raum, genauer in die Konferenzplattform GoToMeeting um, die Moderator und Organisator Fritz Zajicek für fünf Vorträge an fünf Tagen bestens vorbereitet hatte.

Knochenleitungshörsysteme - Zu schade für die Nische

Den Auftakt der Fortbildung machte Matthias Herzig vom Weltmarktführer für Knochenleitungshörer, BHM-Tech in Grafenschachen. Herzig informierte die Teilnehmer über den neuesten Stand in der Knochenleitungsversorgung und stellte die verschiedenen Lösungen vor. Als Indikationen für eine Knochenleitungsversorgung nannte Herzig physische Gründe oder Krankheiten wie chronische Otitis, laufende Gehörgänge, Otosklerose oder fehlende Anatomie, beispielsweise den Gehörgang oder die Ohrmuschel. Ebenfalls angezeigt sei die Versorgungsform bei Schallleitungsschwerhörigkeiten, die Herzig nach Versteifungstyp, Dämpfungstyp und Summationstyp unterschied, einer kombinierten Schwerhörigkeit und der einseitigen Taubheit.Trotz dieser vielfältigen Indikationen, stellte Herzig fest, sei die Knochenleitungsversorgung immer noch eine Nische, an die sich viele nicht herantrauen würden. Dabei habe sie durchaus Vorteile und sei durch die Angebote der verschiedenen Hersteller sehr vielfältig. 

Gehörtherapie als Anpassleitfaden

Für den zweiten Teil der Online-Vorträge der Herbst-Fortbildung hatte der VHÖ Dr. Juliane Dettling-Papargyris vom terzo-Institut der ISMA AG eingeladen. Die terzo-Gehörtherapie gehört seit vielen Jahren zu den bekanntesten Hörtrainings in Deutschland. Tatsächlich geht es dabei um mehr als nur Gehörtherapie. Wer mit terzo arbeiten wolle, der müsse sein komplettes Geschäft auf die Arbeitsweise nach terzo umstellen, erläuterte die promovierte Biologin und erläuterte die Vorteile für Kunden wie Hörakustiker. Ziel des Trainings sei es, noch vor der eigentlichen Hörgeräteversorgung die Deprivation abzubauen, bzw. die für das selektive Hören wichtigen Hörfilter im Gehirn zu reaktivieren.

Fernanpassung mit Chancen und Risiken

In seinem Vortrag stellte Professor Dr. Steffen Kreikemeier von der Hochschule Aalen die provokante Frage, ob Remote-Fitting ein Traum oder eher ein Albtraum für Hörakustiker sei. Man muss vor der Fernanpassung keine Angst haben, so Kreikemeier. Wichtig sei,  das Medizinprodukterecht und -gesetz, die Datenschutzgrundverordnung und das Handwerksrecht einzuhalten. Dann sei Remote Fitting eine sinnvolle Lösung, wenn die Kunden nicht in das Fachgeschäft kommen können. Steffen Kreikemeier beschrieb nicht nur die Theorie, sondern zeigte den Teilnehmern, wie Remote Fitting in der Praxis funktioniert. Die Chancen des Remote Fitting liegen laut Kreikemeier darin, Kunden zu erreichen, die nicht ins Fachgeschäft kommen könnten oder auch einen jüngeren Kundenkreis. Sich der Digitalisierung zu verschließen, bedeute früher oder später jedoch, den Anschluss an den Fortschritt zu verlieren. Nicht auf der Strecke bleiben dürfe der persönliche und menschliche Bezug als wesentliche Säule der Hörakustik. Er warnte deshalb vor dem Direktverkauf von Hörsystemen im Internet und stimmte VHÖ-Präsident Ingenieur Thomas Aigner zu, der in der anschließenden Diskussion eine Studie zu den Möglichkeiten und Grenzen der Fernanpassung forderte.

Bessere Otoplastiken dank KI

Keiner kennt sich besser mit Otoplastiken aus wie Ulli Voogdt, hatte VHÖ-Kassier und Moderator Fritz Zajicek den Ingenieur und langjährigen Dozenten an der Akademie für Hörakustik eingeführt. Der Einsatz digitaler Werkzeuge sei in der Modellierung von Otoplastiken zur Normalität geworden, stellte Voogdt fest. Aber die Software lasse Fehler zu und korrigiere sie nicht. „Es fehlt ein Korrektiv“, so Voogdt. Das könne die Künstliche Intelligenz leisten und datenbasiert Empfehlungen für Otoplastiken abgeben, zum Beispiel für eine sinnvolle Abstützung im äußeren Ohr oder zur Bauteiloptimierung zur Reduktion von Spannungsspitzen. Der Vorteil von KI liege darin, schnell und verlässlich aus riesigen Datenmengen Muster zu identifizieren und daraus zu lernen. Allerdings, schränkte Voogdt ein, nehme KI nur wahr, was sie wahrnehmen solle.  Zwei wichtige praktische Tipps zum Umgang sind laut Voogdt: 1. Sich das Denken nicht abnehmen zu lassen, wenn Labore mit Verbesserungen durch KI werben, die sich nicht nachvollziehen lassen. 2. Weiterhin gute Abformungen machen und Otoplastiken schon vor dem Einsetzen genau prüfen, um Probleme schnell zu erkennen.  

Kuschelanrufe für stabile Beziehungen

 Gute Kundenbeziehungen sind das Ziel von Christian Kemper. Für den Hörakustikmeister und Personaltrainer der Kienzle Success Cooperation ist ein wichtiges Werkzeug dafür das Telefon. „Der heiße Draht zu Ihren Kunden“ hatte er seinen interaktiven Vortrag überschrieben und nichts weniger als einen ganzen Katalog an Tipps und Empfehlungen mitgebracht, von der Checkliste zur Vorbereitung, über Tipps für die wertschätzende Kommunikation und Formulierungsbeispiele bis zu Leitfäden für die Serviceaktion, Folgeversorgung, abgebrochene Anpassung, die Behandlung von Einwänden oder eben Kuschelanrufe, um die Kommunikation aufrecht zu erhalten. Telefonieren sei extrem schwierig, weil es zu 75 Prozent auf die Stimme und Rhetorik ankomme und man für den ersten Eindruck nur 10 Sekunden Zeit habe. Kempers wichtigster Ratschlag daher: „Gespräche üben und lernen, wie Vokabeln.“ Den ganzen Artikel lesen VHÖ-Mitglieder hier.